logo

Nachrichten

April 16, 2026

Hirudotherapie in Australien: Klinische Praxis

Klinische Anwendungen: Von der Replantation bis zur Lappenrettung
Australische Krankenhäuser pflegen seit mindestens den 1970er Jahren eine kontinuierliche klinische Tradition der medizinischen Blutegelanwendung, insbesondere im Bereich der plastischen und rekonstruktiven Mikrochirurgie. Die Hauptindikation bleibt die venöse Stauung – ein Zustand, bei dem Blut in ein replantiertes oder transplantiertes Gewebe fließt, aber nicht effektiv abfließen kann. Wenn eine chirurgische Revision nicht möglich ist, bieten medizinische Blutegel eine vorübergehende, aber oft entscheidende Lösung.


Das St. Vincent's Hospital Melbourne ist ein bemerkenswertes Beispiel. Als wichtiges Überweisungszentrum für Handtraumata setzt das Krankenhaus seit den 1970er Jahren speziell gezüchtete medizinische Blutegel in seiner Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie ein. Jährlich werden in dieser Einrichtung 6 bis 10 Patienten mit Blutegeltherapie behandelt, wobei bis zu 40 medizinisch gezüchtete Blutegel vor Ort in einem speziellen Tank gelagert werden. Typische Anwendungen sind traumatische Amputationsverletzungen an Fingern, Ohren, Nasen und Kopfhaut.


„Sie werden nicht häufig eingesetzt, können uns aber in schwierigen Fällen eine wertvolle Ressource sein“, sagte Herr Pedro Aguilar, Plastischer und Rekonstruktiver Chirurg am SVHM. „Diese Organismen können manchmal den Unterschied zwischen der Rettung eines Fingers und dem Scheitern der Replantation ausmachen.“ Die Therapie dauert in der Regel fünf bis sieben Tage – die Zeit, die benötigt wird, bis neue Blutgefäße über eine Nahtlinie wachsen und eine gleichmäßige Durchblutung wiederherstellen.


Der Mechanismus ist einfach und doch wirkungsvoll: Jeder Blutegel saugt pro Fütterung etwa 5 bis 10 Milliliter Blut, während sein Speichel anästhetische, entzündungshemmende und gerinnungshemmende Eigenschaften liefert, die den Prozess erleichtern. Diese Kombination aus mechanischer Dekompression und biochemischer Intervention macht medizinische Blutegel einzigartig geeignet für Situationen, in denen eine zusätzliche Operation nicht möglich ist.


„Es ist sehr befriedigend, den Blutfluss bei Patienten, bei denen eine weitere Operation nicht möglich ist, mit dieser traditionellen Therapieform wiederherstellen zu können. Es ist gut, diese zusätzliche Option in unserem Werkzeugkasten zu haben“, bemerkte Herr Aguilar.


Andere große australische Krankenhäuser, darunter das Royal Melbourne Hospital und das Royal Prince Alfred Hospital in Sydney, unterhalten ebenfalls Beschaffungsbeziehungen mit zertifizierten Blutegellieferanten für ähnliche klinische Anwendungen. Obwohl das jährliche Patientenvolumen bescheiden bleibt, wird die Therapie in sorgfältig ausgewählten Fällen durchweg als „sehr positiv“ beschrieben.

Kontaktdaten